24.02.2016 16:09

Quecksilberemissionen stoppen, nicht schönreden!







In einer Pressemitteilung „Quecksilberemissionen nur von der Luft ins Wasser zu verlagern, ist keine gute Idee“ zum Quecksilberausstoß der Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Revier versucht der "Pressesprecher von RWE", Guido van den Berg, einmal mehr das mangelnde Umweltverständnis des RWE Konzern in ein rosiges Licht zu setzen und durch den Aufbau falscher Gegensätze den jetzigen Betrieb von Kohlekraftwerken ohne technisch mögliche Filterungen von Giften zu rechtfertigen.


In Deutschland stammt die Hauptemissionsmenge an Quecksilber (rund 70 %) in den letzten Jahren aus dem Energiesektor, vor allem aus den mit Braun- oder Steinkohle befeuerten Kraftwerken.


Wenn Guido Van den Berg behauptet:


1. „Die gute Nachricht: die geltenden Grenzwerte für Quecksilberemissionen im Regierungsbezirk Köln und damit auch im Rhein-Erft-Kreis werden laut Bezirksregierung von den Braunkohlekraftwerken eingehalten und dabei zu mehr als 50% unterschritten.“


Ist dies nicht falsch, muss aber als gezielte Desinformation bewertet werden. Denn Kohlekraftwerke können die Grenzwerte, die sich im Wesentlichen auf Müllverbrennungsanlagen beziehen gar nicht überschreiten. Es geht um ein Gesamtmengenproblem, denn trotz der wenigen Mikrogramm pro Kubikmeter ist der Schadstoffausstoß, weil eben Millionen m³ Rauchgas ausgestoßen werden, riesig: Es werden 1,5 Tonnen Quecksilber in unserer Region emittiert: Niederaussem 527kg, Neurath 667kg, Frimmersdorf 68,6kg und Weisweiler 227kg (2013, Quelle : www.thru.de (Umweltbundesamt))


2. „Immer wieder ist in diesem Zusammenhang über eine Methode zu lesen, die durch Zugabe von Bromiden (Brom) die Quecksilberemissionen in den Abgasen deutlich reduzieren könnte und etwa bereits in den USA Anwendung finde“.


Mit dieser Formulierung soll suggeriert werden, dass die angesprochene Technik weder wirklich Anwendung findet, noch einen Nutzen bringt. Richtig ist aber: In den USA wird bereits in über 100 Kohlekraftwerken diese Abgasreinigungstechnik eingesetzt. Sie wurde in Deutschland von der Firma Vosteen Consulting GmbH aus Köln entwickelt.


3.„Auf Nachfrage bei der Bezirksregierung habe ich die Rückmeldung erhalten, dass diese Methode für deutschen Braunkohlekraftwerke nicht geeignet sei, da hierdurch die Quecksilberemission von der Luft etwa auf das Abwasser, Abfälle und Kraftwerksnebenprodukte verlagert werden.“


Wir reden von Abwasser, nicht von Wasser, Herr Van den Berg! Das sogenannte REA Wasser, das bei der Rauchgaswäsche anfällt, würde durch die Einsprühung von Bromid das oxidierte Quecksilber enthalten. Das kann dann durch Aktivkohle ausgefällt und in einem Waschzyklon ausgewaschen werden. Dieses Verfahren wendet die Firma Andritz Energy and Environment GmbH aus Graz an, als Lizenznehmer von Vosteen.


Peter Hirseler Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bergheimer Rat kommentiert:


„Guido van den Berg verbreitet Halbwahrheiten, vermischt Fakten in unsachlicher Weise und scheint sich nicht vordringlich um die Gesundheit der Menschen – vor allem Kinder und Schwangere zu scheren.  Er schämt sich noch nicht einmal, aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des grünen MdB Oliver Krischer zu zitieren, ohne das zu kennzeichnen. Und dann tut er noch so, als sei das auf seinem Mist gewachsen:" Zudem habe ich mich in Berlin kundig gemacht."


Elmar Gillet Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag ergänzt:


„Die These von Guido Van den Berg es ginge nur darum das Quecksilber von der Luft ins Wasser zu verlagern, ist Augenwischerei. Technisch ist es jetzt schon möglich zu verhindern, dass große Teile der Gifte in die Umwelt gelangen. Als Stand der Technik wird in der Fachliteratur angesehen, dass persistente Schadstoffe wie Quecksilber aus dem Abgas abgeschieden, in Rückständen konzentriert, abgetrennt und in sichere letzte Senken überführt werden. Es geht hier anscheinend nicht um Gesundheit, sondern um Rentabilität. Für uns Grüne bleibt es befremdlich, warum Guido Van Den Berg permanent eine Lanze für die Kohlenutzung meint brechen zu müssen."