Moritz Jungeblodt

10.11.2011

Moritz Jungeblodt, stellvertretender Kreisvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rhein-Erft-Kreis, nimmt Stellung zu dem Einsatz gegen Rechtsradikalismus im Rhein-Erft Kreis:

Der Morgen des 28.8.2011 war schön, sonnig und kaum ein Bürger Pulheim ahnte was er an diesem Morgen auf dem Marktplatz Pulheims sehen musste. Mit dem Bus kamen sie angefahren, eine Gruppe von ungefähr 70 schwarz gekleideten Leuten mit ihren Transparenten. Man kann sie Neo-Nazis, Faschisten, Rassisten oder auch Rechtsradikale nennen.

Sie stellten sich auf den Marktplatz und hielten Reden, welche von ihrem perversen Weltbild zeugten. Ein Weltbild voller Hass auf alles andere, voller Rassismus, Verherrlichung von Gewalt, eines das auf unerträglichen Weise die "deutsche" Geschichte verdreht, und welches durch und durch gegen die Demokratie und die Würde und Rechte der Menschen steht.

Nur einige Bürger und Vertreter der Parteien FDP, SPD, CDU und der Grünen, die zufällig am Vortag von der Demo erfahren hatten, protestierten gegen die Veranstaltung. Nach lautstarken Protesten Demonstrierender und von mir wurde ich an ihr Mikrofon gebeten.

Kurz danach stand dieser Text auf verschiedensten Seiten der Nazis:

"Es stellte sich als Moritz Jungeblodt vor und ist Vertreter der Kriegspartei "Die Grünen" im Stadtrat von Pulheim. Er verlor sich in Floskeln und betonte dabei, dass es für ihn weder ein deutsches Volk noch ein Vaterland geben würde und verlor dabei kein Wort über die von seiner Partei mitgetragene Kriegspolitik der BRD. Nach seinem Redebeitrag wurde noch kurz Stellung genommen, auf die Lächerlichkeit seiner Ausführungen eingegangen und die Bürger von Pulheim zum Nachdenken aufgerufen."

"Axel Reitz diskutiert auf der ersten Station der Kundgebungstour "Gegen kapitalistische Kriegstreiberei, kein deutsches Blut für fremde Interessen!" am 27. August im Rheinland auf dem Pulheimer Marktplatz mit dem Stadtratsmitglied Moritz Jungeblodt von den Grünen."

Meine Gegenrede kann ich natürlich nicht, da sie spontan gehalten wurde, exakt wiedergeben. Ein paar Punkte möchte ich klar stellen.

1. Mit Nazis diskutiert man nicht.

Ich habe eine Rede gehalten aus meiner Verantwortung gegenüber den Menschen in Pulheim und im Rhein-Erft-Kreis. Die Nazis sollen nicht glauben, dass die Bürger sich nicht trauen gegen diesen "schwarzen Block" zu demonstrieren, geschweige denn sich innerhalb von diesen gegen sie zu reden.

Ich diskutiere jedoch nur mit Demokraten. Die "Würde des Menschen"ist kein auszuhandelndes Produkt, es darf keine Toleranz gegen über Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geben. Ich hoffe, dass mein Plädoyer für "eine Welt" der Menschlichkeit und Offenheit, für Demokratie und Multikulti wenigstens bei dem einen oder anderen in dieser Gruppe von Nazis zum Umdenken führt.

2. Krieg oder nicht Krieg, das ist hier die Frage

Nazis protestieren gegen den Krieg, marschieren auf einen "Anti-Kriegstag"?Das klingt erst paradox, aber die Verwunderung verfliegt schnell. Sie protestieren nicht gegen den Krieg zwischen Völkern, sondern gegen den Einsatz für die Rechte und Freiheiten von anderen Menschen. In ihrem perversen Weltbild gibt es nur den Krieg der "Deutschen" gegen alle anderen Menschen.

Wir Grüne werden uns auch weiterhin einsetzen für Menschenrechte für alle Menschen, globale Solidarität und für Demokratie und Frieden. Es ist unsere Verpflichtung, auch aufgrund unser aller Vergangenheit, Massenmorde und Verbrechen an Menschen nicht zu tolerieren und nicht zu ignorieren.

3. Deutsch: Nur sieben Buchstaben im Pass.

Die Nazis, Rassisten (und trauriger Weise andere Menschen wie Sarrazin) glauben, dass sich "deutsch" über die Herkunft, Abstimmung, Haut-, Haar-, Augenfarbe definiert und als Mitgliedschaft in einer exklusiven kulturellen Gemeinschaft. Zudem glauben sie an eine Wertigkeit von Menschen und an Herrschaftsstrukturen, die sie aus diesen legitimieren.

Wir wissen jedoch, dass es so was wie Völker, die sich über Abstammung definieren könnten, nicht gibt. Alle Gesellschaften standen immer in einem kulturellen Austausch und auch einem sozialem.

Die Vorstellung, dass die Menschen der eigenen Gesellschaftüber den anderen stehen, ist fiktives Produkt des 19. Jahrhundert mit einer pseudo-biologistischen Grundlage. Es ist traurig, wenn sich Menschen in dieser verqueren Logik immer noch verfangen.

Dagegen könnte man zu Recht von einer Menschheitsfamilie sprechen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Diesen Satz wählten die Väter mit gutem Grund als ersten Paragraph unseres Grundgesetzes. Es soll verhindern, dass pseudo-wissenschaftliche Erkenntnisse irgendwas über den Wert eines Menschen aussagen dürfen. Für die Gleichheit an Rechten und Würde der Menschen setzt sich unser Grundgesetzt ein und auch wir müssen uns dafür jeden Tag aufs Neue einsetzen. Wir wollen eine Welt für alle Menschen und stehen gegen alle Forderungen nach undemokratischen, rassistischen, repressiven Systemen.

4. Gemeinsam gegen Nazis

Um in einer weltoffenen, friedlichen, demokratischen Gesellschaft leben zu können braucht es eine starke Zivilgesellschaft. Nicht nur alle wichtige Parteien (SPD, CDU, Grüne, FDP, Linke) müssen sich gemeinsam gegen Nazis und Rassisten stellen, sondern es muss einen gesamt-gesellschaftlichen Einsatz gegen diese geben, von Vereinen, von Kirchen und Moscheen, von Schulen und Firmen, und allen anderen Bürgern.

Auch gegen Rassismus, Ausgrenzung, Gewalt aus der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft müssen wir uns stellen.

Wir müssen uns vielfältig gegen Nazis stellen, ob das Stände sind, Tage wo Kulturen und sich fremde Menschen kennen lernen, Putzaktionen, das friedliche Blockieren von Marschrouten,die Thematisierung der Probleme in Vereinen und Jugendeinrichtungen und vieles mehr.

Gemeinsam für unsere Vielfalt, Gemeinsam für Menschenrechte, Gemeinsam für wirkliche Freiheit, Gemeinsam für unsere Welt.

Moritz Jungeblodt ist stellvertretender Vorsitzender der GRÜNEN im Rhein-Erft-Kreis, und zwar auf Vorschlag der GRÜNEN Jugend.

Moritz Jungeblodt ist Jahrgang 1989.

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