27.09.2000

Heutige Jugend nicht schlechter, sondern anders

Kein eindeutiges Bild der Jugend vermittelt die 13. Shell-Jugendstudie. So das nicht ganz überraschende Ergebnis der Veranstaltung aus der Reihe Erftkreis-GRÜNE im Gespräch. "Das Hauptproblem ist genau wie früher die Angst vor der Arbeitslosigkeit." So Kirstin Köcher, die die Veranstaltung gemeinsam mit André Zopes vorbereitet hatte. Zopes stellt zusammenfassend fest: "Zirka ein Drittel der westdeutschen und fast die Hälfte der ostdeutschen Jugendlichen haben pessimistische Zukunftserwartungen. Das zeigt, dass ein enormer Handlungsbedarf besteht, den Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Dabei ist zentral der Abbau der Jugendarbeitslosigkeit."

Aktuell wird die Zukunft von 58 Prozent der östlichen und 65 Prozent der westlichen Jugendlichen positiv eingeschätzt. Allerdings stehen dem 42 Prozent im Osten und 35 Prozent im Westen gegenüber, die ihre Zukunftsaussichten eher düster einschätzen. Dieses gute Drittel mit eher düsteren Zukunftserwartungen sind die Sonder- und Hauptschüler, Jugendliche aus armen Familien, Bewohner von "Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf" und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Überraschend ist, dass neben Brandenburg auch für NRW höhere Zahlen angegeben werden.

Die Jugendlichen mit pessimistischen Zukunftserwartungen können für sich nur Zeiträume bis zu einem Jahr überblicken. Einen Zeitraum von 2 bis 4 Jahren können 30 Prozent, 5 und mehr Jahre 34 Prozent überblicken.

Die Frage, ob sich die eigene Zukunft nach eigenen Vorstellungen gestalten lässt, beantworten 76 Prozent mit "wahrscheinlich" oder "sicher", ein Viertel antwortet "sicher nicht". 18 Prozent der jungen Leute fühlen sich schlecht auf das Leben vorbereitet, der Rest gut oder befriedigend.

Überraschend ist der hohe Anteil derjenigen, die sich selbständig machen wollen. Von den männlichen Jugendlichen immerhin 53 Prozent. Auffällig sind die Unterschiede bei den weiblichen Jugendlichen: Von den deutschen Frauen streben 41 Prozent, von den türkisch-stämmigen lediglich 23 Prozent die Selbständigkeit an.

Über 50 Prozent der Jugendlichen wünschen sich zwei Kinder, nur 12 Prozent wollen keine Kinder. Dabei sind die Jugendlichen immer zufriedener mit der eigenen Erziehung, immerhin 57 Prozent wollen die eigenen Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden.

In der Hitliste der Werte stehen Autonomie, Beruf und Familie ganz vorne an, gefolgt von Menschlichkeit, Attraktivität und Authenzität. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hält sich nicht für religiös.

An der Technik zeigen sich zwei Drittel der Jugendlichen interessiert. Starkes Interesse an der Technik haben 42 Prozent der männlichen, aber nur 5 Prozent der weiblichen Jugendlichen.

Auf die Frage nach Kontakten mit ausländischen Jugendlichen geben 22 Prozent an, sie hätten keinen Kontakt, 47 Prozent haben weniger häufigen und 22 häufigen Kontakt mit ausländischen Jugendlichen. Für zu hoch gehalten wird der Ausländeranteil im Osten von 71,1 Prozent der Jungen und 67,7 Prozent der Mädchen. Im Westen sind dies 61,1 Prozent der Jungen und 59,6 Prozent der Mädchen. Dies ändert sich in Abhängigkeit der Zahl der Kontakte. Bei häufigen Kontakten wird der Ausländeranteil lediglich bei 48,3 Prozent für zu hoch gehalten, bei überhaupt keinem Kontakt von 64 Prozent.

Das Herstellen von Kontakten ist nach Aussage des Jugendforschers Heitmeier eines der Mittel, um gegen die Ausländerfeindlichkeit vorzugehen. 70 Prozent der Jugendlichen sagen immerhin, dass man voneinander lernen könne.

Politisch interessiert sind mittlerweile nur noch 43 Prozent der Jugendlichen. Sie nennen als nahestehende Parteien zu 21,3 Prozent die SPD, zu 23,5 Prozent die CDU, zu 11,4 Prozent GRÜNE und zu jeweils 2 bis 3 Prozent PDS, REPs und FDP.

Das größte Vertrauen entwickeln Jugendliche in Umweltschutzgruppen, Gerichte und Menschenrechtsgruppen; am schlechtesten weg kommen Arbeitgeberorganisationen, Kirchen und politische Parteien.

Diese Veranstaltung hat gezeigt, dass es wichtig ist, sich den Jugendthemen anzunehmen und dass sich die Kreis-Grünen länger damit beschäftigen werden.