31.03.2000

Food-Design oder natürliche Nahrung

Im Einladungstext hieß es:

Der Einsatz der Gentechnologie im Bereich der Nahrungsmittelerzeugung ist bereits weit fortgeschritten. Die Auswirkungen der Veränderung des Erbgutes von Kleinstlebewesen (Bakterien), Pflanzen oder Tieren auf Mensch und Umwelt sind derzeit nicht abzuschätzen.

Ziel gentechnischer Manipulation unserer Nahrung ist fast ausschließlich eine höhere, billigere und schnellere Produktion sowie die Anpassung an industrielle Erfordernisse wie z.B. bessere Lager- und Transportfähigkeit von Obst und Gemüse. Dass damit die Reduzierung von Artenvielfalt im Interesse von Marktanteilen im bedrohlichen Ausmaß einhergeht, ist nur ein weiter Negativ-Aspekt dieser Technologie.

Von der Bevölkerung wird Genfood - noch - überwiegend abgelehnt, mit massiven Merketing-Strategien und einseitigen Informationen an Schüler und Verbraucher kann sich das allerdings künftig ändern.

Wesentlich sinnvoller im Interesse einer zukunftsfähigen, risikoarmen und ökologisch wertvollen Landwirtschaft mit unbedenklichen und gesunden Endprodukten ist die Erzeugung von Lebensmitteln durch naturnahen Anbau sowie artgerechte Tierhaltung, die ausserdem sehr viel arbeitsplatzintensiver ist als die auf Rationalisierung angelegte Gentechnologie.

Hier liegen mit Hilfe neuer, gentechnik-freier biotechnischer Verfahren und Entwicklungen große Potenziale der Zukunft, allerdings fehlt die entsprechende Lobby, wie sie bei Gentechnologie durch Chemie- und Pharmaunternehmen vorhanden ist.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Fraktionssprecherin Doris Lambertz vor knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Stand der Entwicklung hinsichtlich der Nahrungsmittelzusätze und der gentechnischen Veränderungen von Planzen. Graf Hoensbruch, der auf Schloss Türnich ökologische Produkte erzeugt und vermarktet, erhielt für seine Ausführungen breiten Zuspruch.

"Genmanipulierte Lebensmittel und Nutzpflanzen," so Doris Lambertz, "werden von der Bevölkerung abgelehnt. Das führte bereits zu drastischen Kurseinbrüchen bei den Herstellern. Hintergrund der Ablehung: Die Risiken für menschliche Gesundheit, die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht.

Durch die Erfindung der "functional food" findet Gen-Food dennoch Einzug in die Lebensmittelregale. Zusatznutzen beim Geschmack, bei der Gesundheitsvorsorge, beim Fett-oder Zuckergehalt sollen Gen-Food salonfähig machen.

Funktionelle Lebensmittel (sogenannte Nutrazeutika) bergen neue Gefahren, da die Abgrenzung zu Medikamenten und Heilmitteln nicht mehr stattfindet. Überdosierungen sind bedenklich und können krankmachende Wirkungen haben.

Mit der Entschlüsselung der planzlichen Genome verschaffen sich die Pharmakonzerne Patente auf Lebewesen, mit denen sie Verbraucher und Landwirte in ihre Abhängigkeit bringen.

Deshalb ist die Förderung des Biolandbaus notwendig. Allein eine der Natur angepasste Lebensmittelproduktion kann die menschliche Gesundheit dauerhaft schützen."

Graf Hoensbruch forderte, alles für die Ausbreitung des Ökologischen Landbaus zu tun. Den Kernsatz: "Aus der Region für die Region" werden die Grünen aufgreifen, damit gesunde und artgerechte Erzeugung von Lebensmitteln in Zukunft nicht mehr die Ausnahme bleibt, sondern die Regel wird.

Ein gesteigertes Angebot regional vermarkteter ökologischer Agrarprodukte wird die Kosten auf Dauer senken und diese Produkte konkurreznfähig machen. Bei der Vermarktung von Bio-Produten müssen hiesige Erzeuger Vorrang vor dem Angebot von Zwischen- und Großhändlern erhalten. Nur so können bäuerliche Existenzen auch im Erftkreis nachhaltig untersützt werden.

Konkret fordern die Erftkreis-Grünen eine Bestandsaufnahme der landwirtschafltichen Betriebe und deren Wirtschaftweise sowie eine Strukturanlayse, was eine Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe auf ökologischen Anbau besonders auch im Hinflick auf neue Arbeitsplätze bedeuten würde.