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20.06.2017 11:07

849 plus EINS: Meine erste Bundesdelegiertenkonferenz



Von: Cornelia Guth


Um ein richtiges Gespür für die Grünen und ihre Politik zu bekommen, musst du das höchste beschlussfassende Gremium der GRÜNEN – die BDK – mal miterleben. Und ja das habe ich drei Tage vom 14. bis 16. Juni 2017 in einer der größten Arenen in Berlin – im Velodrom – getan.



Gemeinsam mit unseren vier Delegierten Miriam Erbacher, Uwe Zaar, Elmar Gillet und Yunus Kolukisaoglu sowie dem Bundestagskandidaten Rüdiger Warnecke reisen wir mit der Deutschen Bahn an und sitzen fast pünktlich gegen 16.00 Uhr im Innenraum des Velodroms. Besucherausweis um den Hals und mit Stimmkarte sowie dem Ausdruck der Verfahrensvorschläge für das erste Kapitel „Umwelt im Kopf“ ausgerüstet, erreichen wir nach einem kurzen Sicherheitscheck, an diversen Promotion-Ständen vorbei und gefühlt 12.000 Treppenstufen tiefer den Innenraum – klassisch in grün/pink und natürlich viele Sonnenblumen an den Wänden, auf jedem Notizblock, Stift oder gebrandeten Kaffeebecher.

Nach Bundesländern unterteilt finden wir die uns zugewiesenen Plätze im bestuhlten Saal im Bereich „NRW“ schnell. Da eröffnet Cem Özdemir unter tobenden Applaus und lauter Pop-Musik auch schon den 41. Parteitag der Grünen und begrüßt uns – die 850 Delegierten aus ganz Deutschland. Es ist selbst mir schnell klar, was der Anspruch der Grünen auf diesem Parteitag ist: es geht im September nicht ohne uns! Und spätestens nach der bewegenden Rede von Jesse Klaver, Parteivorsitzender der GroenLinks, der an den Mut der Deutschen und die Chance für die Grünen appelliert und das ganze wieder mit einem dröhnenden Pop-Song untermauert, sind hier alle eingenordet. Und nicht nur das: auch den „etwas älteren Hasen“ fällt jetzt auf: wir diskutieren nicht nur über unsere Parteipunkte, sondern wir inszenieren sie und uns. Und die Delegierten sind begeistert – mit Standing Ovation bedanken sie sich bei den überzeugenden Worten von Cem und den ermutigenden Worten unseres grünen niederländischen Parteifreunds. Ich habe das erste Mal an diesem Tag eine Gänsehaut.

Jetzt folgen verschiedene Beiträge von Vertretern unterschiedlichster Kreisverbände. Hierfür können sie sich im Lauf der drei Tage immer wieder über eine Losbox für Redebeiträge bewerben. Beiträge von Spitzenpolitikern wie Katrin Göring-Eckardt, Claudia Roth, Winfried Kretschmann, Robert Habeck und Toni Hofreiter lösen jedes Mal noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, Standing Ovation und Motivation bei den Delegierten aus. „Ja, wir wollen regieren. Aber nicht um jeden Preis. Und mit viel, viel Mut,“ heißt es bei Claudia Roth. „Nur wir machen Schluss mit der Agro-Industrie. Das ist verdammt realo und das nennt man Verantwortung. Wir sind unverzichtbar.“ Oder „Grün braucht´s nicht mehr. Die anderen Parteien sind auch öko. Was halte ich davon. NICHTS. Denn es braucht die Grünen mehr als je zuvor. Es geht darum, ob dieser Planet vor die Hunde geht oder nicht“, betont Winfried Kretschmann. Immer wieder appellieren die Politiker an die globale Zukunftsaufgabe Klimaschutz. Ein Highlight war sicher die Rede von Toni Hofreiter. Dieser 17-minütigen Rede hallen die Eindrücke noch lange und nachhaltig auf der BDK nach. „Wir wollen regieren, um zu verändern. Die Welt braucht es verändert zu werden.“ Und spätestens jetzt ist es allen glasklar: Klimaschutz steht in diesem Wahlprogramm im Fokus. Betont wird auch immer wieder, dass wir für Regierungsverantwortung und damit einen politischen Neuanfang bereitstehen. Neben diesen schon sehr emotionalen, überzeugenden und starken Reden berührt mich außerdem besonders der Gastbetrag der mikronesischen Klimaaktivistin Jolanda Yoab.

Um was genau geht es jetzt im Kern bei der BDK? Der 106-seitige Programmentwurf „Zukunft wird aus Mut gemacht“ mit seinen vier Kapiteln „Umwelt im Kopf“, „Gerechtigkeit im Sinn“, „Freiheit im Herzen“ und „Welt im Blick“ soll demokratisch beschlossen werden. Bereits im Vorfeld hat eine Änderungskommission rund 98% der insgesamt rund 2.300 Anträge des Programmentwurfs bearbeitet. Was passiert mit den restlichen 2%? Eröffnung des jeweiligen Kapitels durch eine Gastrede, Einbringung eines Vorschlags, Debatte, Abstimmung mittels der Stimmkarten mit JA/NEIN/Enthaltung sowie die Schlussabstimmung nach allen abgestimmten Anträgen. So beackern wir etwa 40 Anträge während der gesamten drei Tage. So ein Antrag ist mal nur ein Wort, das gestrichen oder hinzugefügt werden soll oder ein komplett neuer inhaltlicher Aspekt oder auch schon mal drei verschiedene Varianten für ein und denselben Antrag, der schließlich über ein Meinungsbild zum finalen Abschluss kommt.

Viele der Delegierten diskutieren nach den 13 Stunden Abstimmungsmarathon weiter. In den sogenannten Flügelgesprächen werden Argumente einmal mehr vertieft – ich habe mich derweil in mein Hotelzimmer vertieft und das den Spitzenpolitikern und besonders den Delegierten mit einem hohen Durchhaltevermögen überlassen.

Und wenn ich mich so umschaue? Was ist (immer noch) typisch für die Grünen? Ja da sind die ambitionierten grünen jungen Wilden, Kinder sowie eine gut organisierte Kinderbetreuung und die Grünen Alten – die uns bitten, für sie auch in unserem Kreisverband zu werben Opens external link in new windowhttp://gruenealte.de/ Was ich auch hier und da entdecke sind Dreadlocks, selbstgedrehte Zigaretten, Veggi-Burger und Jutesäcke. Was konnte ich wirklich nicht entdecken? Gebatikte Shirts, Birkenstocks und Müsli. Was ich am meisten wahrgenommen habe? Gute Laune, angeregte und spannende Dialoge und viel Humor. Und es ist eine große Herausforderung – besonders am Samstag von morgens 9.30 bis abends etwa 23.00 Uhr konzentriert alle Themen, Diskussionen, Anträge und Abstimmungen zu verfolgen.

Mein Fazit? Eine bereichernde Erfahrung, ein sehr nettes Team und ein bisschen mehr Durchblick in der grünen Welt. Spitzenpolitiker zum Anfassen, viel Raum für JEDEN zum Mitgestalten und eine spürbare Zufriedenheit mit einem absolut erfolgreichen Parteitag. Der Kreisverband Rhein-Erft geht gemeinsam mit unseren Kandidaten Rüdiger Warnecke und Hans-Werner Ignatowitz voller Begeisterung mit dem jetzt beschlossenen Parteiprogramm in die Bundestagswahl 2017!